Chronik

1769 Die Musikkapelle Bidingen hat ihre Wurzeln in der Kirchenmusik.
Erste Notizen finden wir in einer "Heiligrechnung", wo an Musikanten
1 Gulden ausbezahlt wurde.
1824 spielten Bidinger Musikanten bei einer Grundsteinlegung in
 Schwabsoien "türkische Musik".
1883 wurde das erste Musikfest in Obergünzburg besucht.

Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Kapelle schon aus
 22 Musikern.
1951 wurde die Kapelle mit Willi Mooser als Dirigent neu aufgebaut
1958 tritt die Musikkapelle Bidingen dem ASM bei
1976 erhält die Kapelle die PRO-MUSIKA-Plakette.
In diesem Jahr wurde in Bidingen das 12. Bezirksmusikfest
 des Bezirkes IV ausgerichtet.
1991 gründeten die Mitglieder der Kapelle einen eingetragenen Verein.
2004 wurde mit Jungmusikern der Blaskapelle Bernbach zusammen
 eine Jugendkapelle gegründet.
2005 wird im Herbst mit weiteren 20 Kindern ein Vororchester zusammengestellt.
2007 Durchführung des 38. Bezirksmusikfestes im Bezirk IV


Die Musikkapelle Bidingen

 

Die Wurzeln der ländlichen Blasmusik sind zum einen die Kirchenorchester, die bei Gottesdiensten und anderen kirchlichen Anlässen spielten, zum anderen die reinen Blaskapellen, die sich aus den Landwehrmusiken entwickelten. Eine eigene reiche Musiktradition hatte sich durch die Jahrhunderte an den fürstlichen Höfen und in den Städten (Stadtpfeifer) entwickelt. Von diesen sind aber nur sehr selten Auswirkungen auf das flache Land zu erkennen.

 

Auf den Dörfern wurden erste musikalische Aktivitäten in den Kirchenbüchern erwähnt, - so auch in Bidingen. Eine erste Notiz über die Mitwirkung einer "Musik" findet sich in einer "Heilig-Rechnung" von 1769/70, mit der an Musikanten 1 Gulden ausbezahlt wurde.

In den darauf folgenden Jahren finden sich immer wieder solche Vermerke wo zu Patroziniumsfesten und Fronleichnamsprozessionen an Musikanten Geldbeträge ausbezahlt wurden. Wie viele Musiker damals spielten, ist in den Rechnungsbüchern nicht vermerkt. Dieses Kirchenorchester, das aus Blas- und Streichinstrumenten bestand, war die Keimzelle des dörflichen Musiklebens.

 

Aufgrund der Koalitionskriege um 1800 und den daraus resultierenden Feindseligkeiten mit den Franzosen wurden damals zum Schutz der Bevölkerung Landwehren aufgestellt. Jedem Bataillonsstab wurde eine "Türkische Musik" aus ortsansässigen Musikern angeschlossen. Diese Landwehrmusiken wirkten in den jeweiligen Orten an öffentlichen Festlichkeiten. Es waren die ersten bürgerlichen Blaskapellen mit der typischen Aufgabenteilung: Melodie, Begleitung, Bass. Die Erwähnung "Türkische Musik" lässt darauf schließen, dass es sich zu dieser Zeit bereits um eine Blaskapelle handelte. Bereits 1824 waren Bidinger Musikanten weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und wurden zu einer Grundsteinlegung nach Schwabsoien bestellt um dort "Türkische Musik" zu machen.

Sichere und nachweisbare Nachricht vom Vorhandensein einer Blechmusik in Bidingen findet sich im Jahre 1871. Damals spielte eine solche mehrstimmige Blechmusik aus Anlass des Friedensfestes sowie der Pflanzung einer Friedenslinde auf.

Magnus Unterreiner, der einem alten Bidinger Geschlecht entstammte, übernahm 1880 die Führung der Blechmusik. Er war als guter, aber strenger Musiker bekannt. Seine Ausbildung hierzu brachte er von seiner Militärdienstzeit mit, bei der er in einem Musikregiment diente. Unter seiner Stabführung wurden freundschaftliche Beziehungen über den Ort hinaus geknüpft. Bereits im Jahre 1883 und 1895 besuchten Bidinger Musikanten Musikfeste in Obergünzburg.

 

1901 übernahm Andreas Schweiger die Dirigentenstelle. Seine musikalische Ausbildung erfuhr er ebenfalls bei der Regimentsmusik. Er bildete eifrig Nachwuchs heran und konnte 1902 mit 22 Musikanten auftreten. 1906 erfolgte die Aufführung eines Zapfenstreiches. Anlass hierfür gab die Verabschiedung von Pfarrer Hochwind und Kaplan Pracht, sowie die Einführung von Pfarrer Müller in die Pfarrei. Ihrer Zusammensetzung nach zu urteilen, dürfte die Kapelle bis zu Anfang des ersten Weltkrieges ein beachtliches Niveau bewahrt haben.

 

Der Erste Weltkrieg legte das dörfliche Musikleben fast lahm. Nur wenig Musikanten verblieben, denen die traurige Pflicht oblag, bei den Gottesdiensten für die Gefallenen zu spielen. Bald nach Beendigung des Krieges fanden sich Musikliebhaber zusammen, so dass die Heimkehrfeier der Krieger wieder musikalisch umrahmt werden konnte. Die nach dem Krieg einsetzende Schlagerwelle brachte es mit sich, dass eine Tanzmusik ins Leben gerufen wurde, die aus Mitgliedern der Kapelle hervorging. Wegen ihres Einfallsreichtums und ihres Humors waren die Bidinger bald überall bekannt. Man spielte unter anderem in Apfeltrang, Friesenried, Stöttwang, Dösingen, sowie bei den Jahrmärkten in Kaufbeuren. Die Heimfahrt von auswärtigen Auftritten verzögerte sich oft um Tage, auch wenn schönes Erntewetter herrschte.

Im Jahre 1925 bildete Dirigent Andreas Schweiger nochmals Nachwuchs heran, legte dann aber den Dirigentenstab in die Hände des Klarinettisten Michael Foldenauer. Nach einem schlecht besuchten Konzert im Jahre 1932 löste sich die Musikkapelle zum Teil auf. Dirigent Michael Foldenauer vollzog daraufhin eine Neuinstrumentierung und bildete 14 Neulinge heran. Am 1. Mai 1933 trat die Kapelle dann mit 18 Musikanten wieder öffentlich auf. In den folgenden Jahren war wieder reges Vereinsleben zu verzeichnen: Die Fahnenweihe des Trachten- und Heimatvereins im Mai 1935 oder das Gaufest des Oberen Lechgauverbandes im Juli 1939.

 

Während des Zweiten Weltkrieges kam das Musikleben in Bidingen fast ganz zum Erliegen und nur mit Unterstützung der Musikkapellen Bernbach und Osterzell war es möglich, bei den Gottesdiensten der Gefallenen zu spielen. Vom Zweiten Weltkrieg kehrten sieben Musikkameraden nicht mehr zurück, einige erst nach langer Gefangenschaft. Die Begeisterung für die Musik aber führte alsbald wieder Männer zusammen, so dass die Musikkapelle neue Impulse erhielt. Bei einer Feier aus Anlass der Entnazifizierung, die nach dem Kriege in Bidingen stattfand, sollte man einen Unterhaltungsabend gestalten. Dabei gingen die Meinungen so sehr auseinander, dass die Kapelle Bruch erlitt. 1948 starb auch unerwartet Dirigent Michael Foldenauer. Ludwig Martin führte den verbliebenen Rest der Musikkapelle noch einige Jahre weiter, um wenigstens bei kirchlichen Anlässen mitzuwirken.

 

Ein Neuaufbau der Musikkapelle wurde im Jahre 1951 von Isidor Burkhart, Hans Schmid und mit Unterstützung der Gemeinde veranlasst. Als Dirigent wurde Willi Mooser, der als Posaunist und Organist im Kirchendienst tätig war, bestellt. Er baute mit 15 Jungmusikern und viel Idealismus die Kapelle wieder auf. Der erste öffentliche Auftritt war 1952 bei einem Gartenkonzert in der Kellerwirtschaft. Die Gemeinde schuf daraufhin einen eigenen Musikraum im Hause der Sennereigenossenschaft. Zahlreiche Veranstaltungen wurden besucht und im Jahre 1954 wagte die Kapelle den Besuch des 2. Bezirksmusikfestes, das in Aitrang stattfand. Sie errang in der Mittelstufe einen sehr guten Erfolg.

Im Oktober 1958 ging ein lang ersehnter Wunsch der 24 Musikanten in Erfüllung: Anlässlich eines Herbstkonzertes konnte sich die Kapelle Dank der finanziellen Unterstützung durch die Bürger, Genossenschaften und die Gemeinde in einheitlicher Kleidung, im "Allgäuer GÂ’wand", vorstellen.

 

In all den Jahren wurde immer wieder Nachwuchs ausgebildet. So konnten beispielsweise im Herbst 1972 insgesamt 18 Jungmusiker, darunter erstmals auch Mädchen, in relativ kurzer Zeit in die Stammkapelle eingefügt werden. Dank großzügiger Spenden erhielt die Kapelle im Frühjahr 1975 eine neue Tracht. Große Ehre widerfuhr der Musikkapelle im Juni 1976. Anlässlich der Ottobeurer Kulturtage wurde ihr die Pro-Musica-Plakette, eine Auszeichnung für über 100jähriges Bestehen, verliehen.

Am 17. und 18. Juli 1976 richtete die Musikkapelle in Bidingen das 12. Bezirksmusikfest des Bezirkes IV Marktoberdorf aus. Ebenfalls in diesem Jahr wurde die Mehrzweckhalle fertig gestellt. Der Turnunterricht der Grundschule, der bis dahin in der Alten Schule stattfand, konnte in die neue Turnhalle umziehen. So war es der Musikkapelle möglich, in der Alten Schule einen neuen, größeren Proberaum einzurichten. Dank der großartigen Jugendausbildung wurden im Jahre 1980 weitere 11 Jungmusiker in die Kapelle aufgenommen, die mittlerweile auf über 50 Mann angewachsen war.

 

Nach 35 Jahren des vorbildlichen Wirkens als Dirigent gab Willi Mooser sen. den Dirigentenstab an Johann Mooser ab. Als Dank und Anerkennung wurde Willi Mooser 1985 zum Ehrendirigenten der Musikkapelle Bidingen ernannt.

 

Im Jahre 1990 übernahm Pascal Schnieringer, damals erst 22 Jahre alt, das Dirigentenamt. 1999 übergab er die Führung der Kapelle an Herbert Rauch, der bis heute als Dirigent wirkt.

 

1991 gründete die Musikkapelle einen eingetragenen Verein und im Jahre 1997 erhielt sie eine neue Tracht. Die Damen der Kapelle präsentierten sich erstmals in Dirndln.

Aufgrund von Recherchen des Kreisarchivpflegers Albert Ott aus Ebenhofen, der jahrzehntelang selber aktives Mitglied der Kapelle war, konnte die Musikkapelle eine 230jährige Tradition nachweisen. Im Staatsarchiv Augsburg, in verschiedenen Gemeindearchiven und im Pfarrarchiv von Bidingen fand er Aufzeichnungen von weltlichen Auftritten bis aus dem Jahre 1769. Hierfür erhielt die Kapelle vom damaligen Präsidenten des Allgäu Schwäbischen Musikbundes, Prof. Karl Kling, beim Jahreskonzert im Jahre 2001 die silberne und goldene ASM-Plakette.

 

Die Musikkapelle Bidingen prägte in den vielen Jahren ihres Bestehens das kulturelle Leben in der Gemeinde. Aber auch für Auftritte über die Grenzen hinaus waren die Musiker immer offen. So besuchten sie im Jahre 1988 den Prager Winter, einen internationalen Wettbewerb für Blaskapellen in Brünn, gestalteten den Gottesdienst anlässlich des großen Glaubenstages in Augsburg im Rosenaustadion im Jahre 2000 musikalisch mit und nahmen am Fest der Bayern, das 2000 in Regensburg stattfand, teil. Außerdem beteiligten sie sich am Bundesmusikfest 2001 in Friedrichshafen und gestalteten 2002 einen bayerischen Abend in Frankreich in der Festhalle von Verneville. Eine Besetzung der Kapelle reiste in den Jahren 2003 und 2005 nach Amerika und präsentierte beim Oktoberfest in Cincinnati (Ohio) bayerische Blasmusik. Im Herbst 2006 startete die Musikkapelle über Verneville in Frankreich eine kleine Konzerttour nach England.

 


Die Musikkapelle Bidingen bestreitet zwischen 30 und 40 Auftritte im Jahr und nimmt regelmäßig an Bezirksmusikfesten teil. Derzeit spielt sie erfolgreich in der Mittelstufe. In den Jahren 1976 bis 2002 konnte sie zahlreiche Erfolge in der Oberstufe vorweisen. Nennenswert ist hierbei das Ergebnis des Wertungsspiels beim Bezirksmusikfest in Marktoberdorf im Jahre 1978. Mit 119,5 Punkten erreichte die Kapelle damals in der Oberstufe die höchste Tageswertung.


Ein stetiges Anliegen der Musikkapelle Bidingen war immer eine grundlegende Jugendausbildung. Zur Unterstützung dieser für den Fortbestand einer Kapelle so wichtigen Aufgabe wurde im Jahre 2004 zusammen mit Jungmusikern der Blaskapelle Bernbach eine Jugendkapelle gegründet, die derzeit aus 25 Mitgliedern besteht. Die Leitung übernahm Thomas Schweiger jun. und Pascal Schnieringer. Bereits im Herbst 2005 folgte mit weiteren 20 Kindern die Zusammenstellung eines Vororchesters. Unter der Leitung des Dirigenten Herbert Rauch, unterstützt durch Eva Schneider, praktizieren die erst seit kurzem in Ausbildung stehenden Musikanten schon das erste Zusammenspiel in einer größeren Besetzung und schätzen dabei bereits die ersten öffentlichen Auftritte.

Im Festjahr der Musikkapelle Bidingen wird mit dem Bau eines neuen Musikproberaumes begonnen. Der derzeit genutzte Raum in der Alten Schule ist für die mittlerweile 46 Musiker sehr beengt und es fehlt an Lager- und Stauraum für Instrumente und Notenmaterial. Im Kellergeschoss der neu geplanten Grundschule in der Dorfmitte auf dem ehemaligen Zechengrundstück wird die Kapelle in Eigenleistung einen für ihre Verhältnisse entsprechenden Proberaum errichten.

 

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20. Okt 2017